Deodato
Eumir Deodato
- The Crossing (Expansion)
(Vorab-Rezension:
www.herrenzimmer.de)
Eumir Deodato gehört zu den Keyboardhelden des Fusionjazz,
sein US-amerikanisches Debütalbum Prelude, aufgenommen bei
Creed Taylors Label CTI nach Deodatos Emigration aus seinem Heimatland
Brasilien in die USA, auf dem man Billy Cobham am Schlagzeug und
Ron Carter am Bass, sowie den jungen John Tropea an der Gitarre
hören konnte, drehte sich Anfang der 1970er Jahre ständig
auf unseren Plattentellern und brachte Deodato den großen
internationalen Durchbruch. Vor allem die auf Prelude zu hörende
Funk-Version von Richard Strauss' erstem Satz aus Also sprach Zarathustra
wurde ein Riesenerfolg und brachte dem Keyboarder einen Grammy und
etliche weitere Auszeichnungen ein und interpretierte das Hauptthema
aus der gleichnamigen Richard-Strauss-Komposition, das viele aus
dem Film 2001 von Stanley Kubrik kannten, auf eine das junge Publikum
ansprechende Weise.
Das war damals, long time ago. Deodato veröffentlichte zahlreiche
Alben unter eigenem Namen und war ein gefragter Sideman, seit etwa
10 Jahren tritt er auch wieder live auf. Und nun ist da dieses nagelneue
Album mit dem Titel The Crossing, und darauf erlebt man Deodato
in absoluter Hochform. Und nicht nur ihn: die alten Kumpel Billy
Cobham und John Tropea und Airto Moreira sind dabei, es singt niemand
geringerer als Al Jarreau sowie die drei Leute von Londonbeat, und
das ganze wurde produziert von Nicolosi Productions in Mailand,
die auch schon die fantastischen Billy Cobham CDs Drum 'n' Voice
2 zu verantworten haben, die wir erst vor kurzem hier vorstellten.
Was schon für für die beiden Billy Cobham Alben zu sagen
war gilt ebenso für The Crossing: Musik für Arme und Beine
und Herz und Nieren, Musik für eine geistreiche blaue Stunde,
für ein genussvolles Entspanntsein oder eine gelassene Fahrt
in den Sonnenuntergang. Die "alten Herren" (Deodato wird
in diesem Sommer 68, Billy Cobham bald 67, John Tropea ist 65) haben
es noch verdammt drauf, und die Nicolosis verstehen es offenbar,
bei ihren Produktionen das Beste aus ihren Stars herauszuholen.
Da sehe ich sie durchaus auf Augenhöhe mit Nicola Conte. The
Crossing hat nicht einen schwächeren oder wenigstens schwachen
Titel, alle 8 Stücke - bis auf Gershwins Summertime Originals
von Nicolosi/Deodata/Jarreau - haben gleichermaßen Ohrwurmqualität.
Und bereits der erste Titel Double Face, der nach einem kurzen E-Piano
Intro Deodatos in Al Jarreaus immer noch faszinierenden Scatgesang
mündet, lässt das Herz hüpfen, und so geht es dann
bis zum letzten Ton der Platte weiter.
Ja, man muss es nochmal sagen: Ist das eine geile Platte! Unser
Tipp: lauschen Sie einmal bei unserem Medienpartner JPC in die Anspielclips
Erscheinungstermin:
12.7.2011 (Smc Recordings)
Biographie
Der brasilianische
Jazz-/Fusion-Musiker Eumir Deodato war als Musiker, Arrangeur oder
Produzent an 16 Platin-Alben und über 25 Millionen verkaufter
Alben alleine in den USA beteiligt. Seine eindrucksvolle Diskografie,
inklusive Compilations und seiner Arbeit als Arrangeur, Produzent
und Keyboarder umfasst ca.450 Veröffentlichungen. Bei all seinen
Erfolgen ist er den meisten
durch sein 1972er Hit-Album in Erinnerung: die herausragende, moderne
Bearbeitung von Richard Strauss klassischem Opus "Also sprach
Zarathustra"- allgemein bekannt unter dem Thema "2001:
A space Odyssey".
Sein Debütalbum
in den Vereinigten Staaten, Prelude (eingespielt mit Größen
wie Billy Cobham am Schlagzeug und Ron Carter am Bass, sowie dem
jungen John Tropea an der Gitarre), bescherte ihm 1973 den großen
internationalen Durchbruch. Die eigenwillige Mischung aus Klassik
und Big Band, Jazz und Rock überschritt die Grenze zwischen
E-Musik und U-Musik.
Vor allem seine Funk-Version von Also sprach Zarathustra wurde in
England und den Vereinigten Staaten ein großer Erfolg, brachte
ihm einen Grammy und weitere Auszeichnungen ein und machte das Hauptthema
aus der gleichnamigen Richard-Strauss-Komposition einem jüngeren,
der klassischen Musik eher fernen Publikum bekannt. In einem Interview
sagte Deodato, Also sprach Zarathustra wäre ein weitgehend
unvorbereiteter, spontaner Take gewesen.
Die kurze Zeit später aufgenommene Nachfolger LP Deodato 2
(1973) vereinigte ähnliche Crossover- und Fusion-Sounds, neben
Eigenkompositionen wiederum bekannte Werke der E-Musik, etwa Rhapsody
in Blue von George Gershwin oder die Pavane von Maurice Ravel. Dem
Album blieb kommerzieller Erfolg versagt, wobei auch verkaufs- und
vertriebspolitische Entscheidungen des CTI-Labels eine Rolle spielten.
Dies ruinierte die Beziehung zwischen Deodato und seinem Produzenten
Creed Taylor und er verließ CTI. Diese und auch die folgenden
LPs bei MCA und Warner Bros. werden heute vielfach wesentlich positiver
beurteilt als zur Zeit ihres Erscheinens. Ab 1975 versuchte sich
Deodato auch immer wieder im Disco-Genre, so gelangen ihm bis Mitte
der 1980er Jahre regelmäßig Einträge in den amerikanischen
Disco- und Dance-Charts. Caravan (1975), Whistle Bump (1978) und
S.O.S., Fire in the Sky (1984) schafften den Sprung in die Top-10.
Weitere Entwicklung :
1989 erschien die bislang letzte LP unter eigenem Namen. Deodato
beteiligte sich aber auch immer wieder an unkonventionellen Projekten,
wie etwa 1976 an Aufnahmen mit dem Sänger Massimo Ranieri,
bei denen unter anderem Stücke von Albinoni, Schubert, Chopin,
Rodrigo adaptiert wurden.
Des Weiteren komponierte Deodato seit den 1960er-Jahren einige Filmmusiken
(u. a. The Girl from Ipanema, The Gentle Rain, The Adventurers,
The Black Pearl) und spielte diese zum Teil auch selber ein, zuletzt
im brasilianischen Film Bossa Nova (2000). In den 1980er und 1990er-Jahren
machte sich Deodato vor allem einen Namen als Produzent und Arrangeur
von Kool & The Gang und Björk.
Aktuell :
1997 wurden die beiden Alben Prelude und Deodato 2 in neu gemasterter
Qualität unter dem Titel CTI Master Series als CD neu veröffentlicht.
Eine neue Version von Also sprach Zarathustra lieferte die deutsche
Band Mardi Gras.bb unter Mitwirkung Deodatos im Jahr 2000.
Seit 2001 ist Deodato wieder als Livemusiker zu hören. Jüngere
Aufnahmen unter seiner Mitwirkung stammen von Künstlern wie
Carlinhos Brown, Ithamara Koorax, Lisa Ono, k.d. lang und Milton
Nascimento.